Kann
ich noch mehr über die Hintergründe erfahren? Na klar!
Im Jahr 2008 haben 115 Personen (60 Frauen und 55 Kinder) Schutz im
Frauenhaus gesucht. Die Zimmer im Frauenhaus waren durchgehend ausgelastet.
Das zeigt, wie dringend die Einrichtung benötigt wird.
Im Jahr 2006 strich das Land NRW ersatzlos eine von vier Personalstellen.
Unter dem ersten Schock dieser Kürzungen hatten wir versucht, alle
angebotenen Leistungen zu überprüfen und auf ein Minimum zu
reduzieren. Insbesondere schränkten wir die Alltagsbegleitungen,
Kinderbetreuungszeiten und die Nachbetreuung der Bewohnerinnen ein.
Der Schulkinderbereich entfiel zeitweise ganz.
Daraufhin haben wir sehr schnell feststellen müssen,
- dass die Frauen und Kinder sich nicht mehr gut aufgehoben fühlten
und die bestehenden Beratungsangebote viel weniger wahrnahmen. Stattdessen
verließen sie das Frauenhaus schneller, und häufiger ohne
eine neue Perspektive.
- Auch die Entstehung einer tragfähigen Gruppenstruktur, die
einen wesentlichen Beitrag zu den im Frauenhaus angestrebten Veränderungen
leistet, war erschwert, oder kam kaum noch zustande.
- Im Team führten die Einsparungen an Übergabe- und Besprechungszeiten
letztendlich zu weniger Effektivität.
Unter einem "Sprechstundenmodell" funktioniert das ganzheitliche
Konzept des Frauenhauses nicht. Stattdessen ist es sehr wirtschaftlich,
sich Zeit und Ruhe für die Arbeit mit gewaltbetroffenen Frauen
und Kindern zu nehmen. Im günstigen Fall gelingt der Frau der Einstieg
in ein gewaltfreies Leben, und der Schutz ihrer Kinder vor weiterem
Leid.
Das Frauenhaus bietet sowenig Hilfe wie möglich - aber soviel Hilfe
wie nötig.
Dafür haben wir in fast dreißig Jahren Standards entwickelt
und immer weiter optimiert. Die personelle Ausstattung von vier vollen
Stellen ist das absolute Minimum für diese Arbeit. Deshalb finanzieren
wir weiterhin bis zu einer neuen politischen Lösung die vierte
Stelle eigenständig. Das Frauenhaus war und ist mehr als ein Dach
über dem Kopf. Und soll es bleiben.
Mit der großen Spendenkampagne "1000 Rettungsringe für
das Frauenhaus" konnten wir zu unserer großen Erleichterung
soviel erwirtschaften, um die akute Gefährdung abzuwenden und mit
der bisherigen Personalstärke weiterzuarbeiten.
Die Werbung um Einzelspenden hat uns zwar bisher den großen Rückhalt
gezeigt, den das Frauenhaus mittlerweile in der Bevölkerung hat
- ist aber auch sehr zeitaufwendig und braucht immer wieder neue Aktionen
und Ideen. Auf die Dauer können wir das nicht mehr neben unserer
sehr anstrengenden Arbeit leisten.
Auf diesem Hintergrund wird die große Bedeutung regelmäßiger
Zuwendungen deutlich. Das ist Geld, mit dem wir rechnen, und unsere
Personalsituation solide planen können.
Mit dem Förderverein haben wir die Möglichkeit geschaffen,
sowohl Mitglieder, die regelmäßige Beiträge bezahlen,
als auch ehrenamtliche Mitfrauen zur Entlastung der Mitarbeiterinnen
zu finden.